Für Gesundheitsberufe

Was ist Primärversorgung?

„Primärversorgung“ ist die deutsche Bezeichnung für „Primary Health Care“. Dazu gibt es inzwischen unzählige Publikationen (siehe auch unsere Bibliothek).  Die gebräuchlichste Defintion ist die WHO-Erklärung von Alma Ata 1978. Gemäß dieser ist „Primary Health Care“ ein essentieller und zentraler Bestandteil jedes Gesundheitssystems. Es ist die erste Versorgungsebene, mit der Einzelpersonen, Familien und die Gemeinschaft in Kontakt mit dem Gesundheitssystem treten und stellt somit das erste Element eines kontinuierlichen Versorgungsprozesses dar. Sie umfasst gesundheitsfördernde, präventive, kurative, pflegerische, rehabilitative und palliative Maßnahmen und bringt eine multiprofessionelle und integrative Versorgung so nahe wie möglich an den Wohnort und Arbeitsplatz der Menschen. Sie fördert die Partizipation, Selbstbestimmung und Entwicklung von personellen und sozialen Fähigkeiten und ist ein gesundheitsorientiertes und intersektorales Versorgungskonzept.

Dazu gibt es einen ausgezeichneten Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Kathryn Hoffman: Video-Clip bzw. Präsentation.

Was ist Primärversorgung? – Stellungnahme des europäischen Expertenausschusses

Was ist neu in den geplanten (Primärversorgungs-)Einheiten?

Mehr Teamarbeit. Dadurch mehr Zeit für PatientInnen, flexiblere Arbeitszeiten, mehr Austausch, hoffentlich mehr Spaß in der Arbeit und eine Verbesserung der Versorgungsqualität.

Welche Rolle spielen diese Berufsgruppen jetzt und in der Zukunft?

Eine immer größere. Die Menschen werden zum Glück immer älter, dadurch vermehren sich aber auch die chronischen Erkrankungen. Um diese erfolgreich zu versorgen und die Betroffenen aktiv zu begleiten braucht es diese Vielzahl von Gesundheitsberufen.

Welche Berufsgruppen arbeiten in der Primärversorgung?

Viele. Neben AllgemeinmedizinerInnen vor allem Pflegekräfte, PhysiotherapeutInnen, SozialarbeiterInnen, Hebammen, LogopädInnen, PsychologInnen, PsychotherapeutInnen, DiätologInnen, ErgotherapeutInnen, um einige der wichtigsten zu nennen.

Welche Rolle spielen AllgemeinmedizinerInnen in der neuen Primärversorgung?

Eine zentrale. Die Administration aber auch viele andere Aufgaben werden jedoch von anderen Berufsgruppen übernommen. So haben die AllgemeinmedizinerInnen mehr Zeit und können sich auf ihre Aufgaben konzentrieren.

Welche (Primärversorgungs-)Modelle gibt es in Österreich?

Derzeit noch nicht viele. Wobei die bisherigen Erfahrungen sehr positiv sind. Am besten Sie schauen sich auf unserer Karte die einzelnen Einrichtungen näher an. Wenn Sie Fragen haben, kontaktieren Sie uns einfach.

Wie sind diese organisiert, finanziert und personell ausgestattet?

Das ist unterschiedlich. Aber in allen arbeiten mehrere AllgemeinmedizinerInnen mit anderen Gesundheitsberufen eng zusammen. Die Sozialversicherung(en) und Länder fördern diese Einrichtungen meist mit einer Anschubfinanzierung.

Was verändert sich in der Primärversorgung kurz-, mittel- und langfristig?

Kurzfristig wenig. Mittelfristig wird es immer mehr neue Versorgungsformen geben. Manche werden sehr gut, manche weniger gut funktionieren. Langfristig wird es jedoch zu einer engeren Zusammenarbeit aller Gesundheitsberufe in der Primärversorgung kommen. Sei es im Netzwerk oder unter einem Dach.

An wen kann ich mich wenden, wenn ich ein neues Modell planen möchte?

Am besten Sie wenden sich an die regionalen AnsprechpartnerInnen in Ihrem Bundesland: z.B. die OEFOP LandessprecherInnen oder AnsprechpartnerInnen bei Kasse oder Gesundheitsfonds.

Mit wem muss/soll ich dann zusammenarbeiten? Was sind das für Menschen?

Das Kernteam der Primärversorgung neu besteht aus Medizin und Pflege. Zusätzlich werden andere Gesundheitsberufe im Team sein, je nach Region und Bedarf. Wie in jedem Team versteht man sich mit dem einen besser und dem anderen schlechter. Wenn Sie sich selbst für ein neues Modell interessieren, suchen Sie sich MitstreiterInnen mit denen Sie sich eine Zusammenarbeit im Team vorstellen können.

Wie wird sich meine Verrechnung ändern, mein Verdienst?

Das hängt von Ihrem gewählten Modell ab. Seit Sommer 2017 gibt es ein eigenes Gesetz zur Primärversorgung (PrimVG). Ein einheitliches Verrechnungsmodell existiert noch nicht, da derzeit ein sog. „Gesamtvertrag“ ausverhandelt wird. Das bedeutet, derzeit werden alle neuen Modelle noch frei verhandelt. Zusätzliche Leistungen von Gesundheits- und Sozialberufen könnten pauschal oder als Einzelleistung abgerechnet werden.

 

Kann ich zwangsweise zur Primärversorgung verpflichtet werden?

Nein. Der derzeit geplante Weg sieht vor, in sinnvollen Regionen zuallererst die ÄrztInnen vor Ort für die neuen Modelle zu gewinnen.

Wie erfolgt die Codierung in PVEs? Was ist ICPC-2?

Neue Primärversorgungseinheiten (und künftig auch Einzepraxen) sollen nach der sogenannten „International Classification of Primary Care“ codieren. Mit ICPC-2 ist es möglich Krankheitsepisoden anstatt reiner Diagnosen zu kodieren. Als Episode oder Behandlungsfall versteht man alle Kontakte für ein Problem, von der Erstkonsultation bis zum Abschluss des Falles. So wird gewährleistet dass wir einen Einblick in das Versorgungsgeschehen in der Primärversorgung bekommen und eine Versorgungsforschung nach internationalem Standard ermöglicht wird.

Weitere Informationen dazu gibt es auf der Webseite des Bundesministeriums und in unseren Blogs:

Bundesministerium: Ambulante Dokumentation: Nutzung der ICPC-2 in Österreich

Blog: ICPC-2 Codierung in Österreich – eine (R)Evolution

Blog: ICPC-2 – Codierung richtig nutzen

Blog: ICPC-2 – die Klassifizierung für die Primärversorgung

Für PatientInnen

Was wird sich für mich ändern?

Für die meisten Menschen ändert sich nichts. In manchen Regionen wo es schwer ist Gesundheitspersonal zu finden, werden Einrichtungen entstehen, die für eine junge Generation von Gesundheitsberufen attraktiv sind. Wie diese Einrichtungen genau aussehen, weiß noch niemand genau. Mit Sicherheit werden jedoch mehrere Gesundheitsberufe enger zusammenarbeiten als heute. Dadurch wird das Leistungsangebot größer und ist besser zugänglich.

Was ist Primärversorgung?

Primärversorgung ist ein Teil der Gesundheitsversorgung. Man spricht von der „ersten Versorgungsebene“. Die Primärversorgung ist für alle häufigen Fragen und Probleme die erste, und oft auch einzig notwendige Anlaufstelle. Derzeit ist diese Anlaufstelle im Normalfall Ihr Hausarzt/Ihre Hausärztin.

Warum gibt es Reformen im Bereich der Primärversorgung?

Der Versorgungsbedarf in der Bevölkerung hat sich verändert. Wir werden immer älter und erleben so immer mehr chronische Erkrankungen. Aber auch die Art und Weise der Versorgung hat sich verändert. Ein Gesundheitsberuf alleine kann diese Aufgaben nicht mehr erfüllen.

Wie sehen diese Reformen aus, was ist geplant?

Mit der Primärversorgung Neu soll die bestehende Form der Primärversorgung durch Hausärztinnen und Hausärzte weiterentwickelt werden. Sie sollen es in Zukunft leichter haben mit anderen Gesundheitsberufen (z.B. einer Pflegekraft oder einem Physiotherapeuten) in einem Team zusammenzuarbeiten.

Was wird sich in unserer Region ändern?

In Regionen, wo es schwer ist Gesundheitspersonal zu finden, werden Einrichtungen entstehen, die für eine junge Generation von Gesundheitsberufen attraktiv sind.

Wie diese Einrichtungen genau aussehen, weiß noch niemand genau. Mit Sicherheit werden jedoch mehrere Gesundheitsberufe enger zusammenarbeiten als heute. Dadurch wird das Leistungsangebot größer und ist besser zugänglich.

Was wird sich für mich persönlich ändern?

Wenig. Das könnte sich jedoch ändern, wenn gerade in Ihrer Region die medizinische Versorgung lückenhaft wird. Zum Beispiel, wenn Ihr Hausarzt in Pension geht und nicht nachbesetzt werden kann.

Wenn in Ihrer Region ein neues Modell entsteht, werden mehr Gesundheitsberufe für Sie leichter zugänglich sein.

Wird es in Zukunft noch Hausärztinnen/Hausärzte geben?

Ja sicher. HausärztInnen wird es immer geben. Allerdings steht ein Großteil der jetzigen Hausärzte und Hausärztinnen vor der Pensionierung und mit der jungen Generation können auch neue Versorgungsformen kommen.

Wird es für mich teurer?

Nein. Dafür ist es jedoch wichtig, dass unser solidarisches Gesundheitssystem sich weiterentwickelt und den Bedürfnissen einer modernen Gesellschaft anpasst.

Kann ich meinen Arzt weiterhin frei wählen?

Ja. An der freien Arztwahl wird sich nichts ändern.

Was passiert wenn mein/unser Hausarzt in Pension geht?

In der Regel wird er nachbesetzt. Wenn dies jedoch nicht möglich ist dann könnte die entstandene Lücke durch neue Versorgungsformen geschlossen werden. Wie diese Einrichtungen genau aussehen, weiß noch niemand. Mit Sicherheit werden jedoch mehrere Gesundheitsberufe enger zusammenarbeiten als heute.

Warum sollte ich in das neue Zentrum gehen, das Krankenhaus ist ja ums Eck?

In Gesundheitsfragen ist Ihr erster Ansprechpartner der Hausarzt, die Hausärztin. Er/Sie kennt Sie am besten und sollte mit Ihnen gemeinsam planen, was zu tun ist. Ob er oder sie nun in einer Einzelpraxis oder in einem Zentrum tätig ist, macht dabei keinen Unterschied.

Allgemeine Fragen

Wie kann ich an einem Online-Meeting teilnehmen?

Newsletter-AbonnentInnen und Vereinsmitglieder erhalten automatisch eine E-Mail mit den Informationen. Gäste sind herzlich willkommen, einfach per E-Mail an office@primaerversorgung.org anmelden.

Unsere Schritt-für-Schritt Anleitung erleichtert die Teilnahme: OEFOP-Online-Meeting-Anleitung (245 Downloads)