Berufsgruppen erzählen aus dem „neuen“ Alltag – Gesundheit entsteht dadurch, dass man sich um sich selbst und für andere sorgt!

Beitrag erstellt von Julia Marouschek-Schwarz

Julia Marouschek-Schwarz, Ordinationsassistentin im Primärversorgungszentrum St. Pölten  berichtet aus dem Alltag während der Krise.

7:00 Uhr Dienstbeginn wie immer, dennoch ist nichts wie vorher….

In den letzten Monaten haben wir alle mit größter Spannung die Entwicklung der Covid-19 Pandemie mitverfolgt, bis sie auch in Österreich „aufschlägt“, war nur eine Frage der Zeit.

Immer sensibler haben wir auf Patientenanrufe mit entsprechender Symptomatik reagiert, immer genauer haben wir hinterfragt, ob der Patient in einem Risikogebiet war oder gar Kontakt hatte.

Immer mehr wurden die Informationen und Anweisungen, wie wir uns und andere Patienten besser schützen können. Neue Medienberichte im Stundentakt.

Wir haben interne Triagen entwickelt, anfangs haben die Patienten noch gelacht über unsere „Fragerei“. „Nein, nein, ich hab´ schon nicht Corona!“

Plötzlich war alles anders. Übers Wochenende wurde unser Primärversorgungszentrum durch eine Schleuse geteilt. In einen A und B Bereich, in schwarz und weiß. In eine A und B Gruppe, die “Elche“ und die „Einhörner“ (unseren Humor und Zusammenhalt haben wir zum Glück auch in diesen Zeiten nicht verloren), falls es personaltechnisch zu Ausfällen kommen sollte.

Dienstpläne wurden komplett neu geschrieben.

Allzu merkwürdig war das Gefühl, wenn man sich von jemanden verabschiedete, der „zur anderen Gruppe“ gehört, da man weiß, man sieht sich lange nicht mehr.

Plötzlich sah man sich eher in einem Callcenter, als in einer Ordination. Mehrere Telefonleitungen mussten installiert werden, um dem Ansturm an Medikamentenbestellungen und Patientenanfragen gerecht zu werden. Jeder, der Fragen hatte wurde von einer Ärztin oder einem Arzt zuerst telefonisch und wenn notwendig auch persönlich in der Ordination betreut (schließlich gibt es nach wie vor andere Krankheiten als Covid-19 Infektionen). Alle Medien werden ausgereizt. Plötzlich dürfen Rezepte und Arbeitsunfähigkeitsmeldungen telefonisch ausgestellt werden.

Natürlich ist der Luxus einen eigenen Schwarzbereich haben zu können optimal, trotzdem musste man auch noch auf die zeitliche Komponente achten, keine oder möglichst wenige Überschneidungen von Terminen. Alle Patienten tragen diese Umstände wirklich sehr gut mit und sind durchaus compliant, das sei an dieser Stelle auch einmal gesagt.

Zu Beginn war es noch „besonders“ sich in die „volle Schutzmontur“ zu schmeißen. Schürze/Kittel, Schutzbrille, FFP3 Maske – das ist jetzt unser neuer Alltag. Eher kurzer Patientenkontakt, auch schwierig, besonders für die, die ihren Beruf gerne aufgrund der Kommunikationsfreude ausüben bzw. für die Patienten, speziell jene, die sonst alleine zuhause sitzen müssen.

Ein Zustelldienst in Kooperation mit Apotheke und dem Samariterbund wurde ins Leben gerufen, um diejenigen zu versorgen und zu schützen, die es am Dringendsten benötigen.

Unsere anderen Berufsgruppen helfen, so gut sie können, sei es durch die Sozialarbeiterin, welche sich um die Sorgen und Ängste der Menschen annimmt oder durch die Case und Care Managerinnen, welche immer wieder versuchen Abläufe und Hilfe für bettlägerige Patienten zu koordinieren. Es wurden für alle Berufsgruppen, welche zurzeit das Haus nicht betreten dürfen/sollen Homeoffice-Plätze eingerichtet, um die Patienten telefonisch, sowie über Socialmedia im Internet bestmöglich zu unterstützen. Z.B.: Die Diätologin, die Ernährungspläne für Patienten zusammenstellt und ebenfalls telefonisch zur Stelle ist. Unsere Physiotherapeutin, welche auch Fotoberichte/-anleitungen erarbeitet. Auch Angestellte, welche keine Kinderbetreuungsmöglichkeiten haben, können über Homeoffice-Plätze Ihre Arbeit verrichten und uns aus der „Ferne“ unterstützen.

Ein noch nie da gewesener Aufwand an Umstrukturierung prägen unser Tun und Handeln. Jede Pressekonferenz wird aufmerksam gesehen. Jede heiße Spur an Desinfektionsmittel oder Schutzausrüstung zu gelangen, wird akribisch verfolgt.

19:00 Uhr, Dienstschluss. Eines bleibt gleich wie vorher, das gute Gefühl Menschen helfen zu können und die Vorfreude auf eine ausgiebige Dusche!

This post was written by Heinz Novosad

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