Pilotprojekt gesunder Tennengau

(verfasst von Primärversorgungsnetzwerk Tennengau)

Nägel mit Köpfen macht die Salzburger Region Tennengau in Sachen Primärversorgung. In den nächsten drei Jahren werden zahlreiche Stakeholder aus dem Gesundheitswesen eingebunden, um ein effizientes Netzwerk zu bilden. 

Der Tennengau liegt südlich der Stadt Salzburg. Mit etwa 60.000 Einwohnern in ländlicher Struktur und der zweitgrößten Stadt des Landes Salzburg, Hallein, braucht es eine wohldurchdachte und dichte Netzwerkstruktur beim Aufbau einer neuen, effizienten Primärversorgung. Die geografische Situation mit der Bezirkshauptstadt samt Krankenhaus und dem ländlichen Umland bietet hervorragende Voraussetzungen für eine Modellregion, um die wesentlichen Unterschiede Stadt-Land im Projekt bestmöglich darstellen zu können.

Als Obfrau des Gesundheitsnetzwerk.at reg. Genossenschaft m.b.H. freut es mich besonders, hier ein Pionierprojekt mitgestalten zu dürfen. Das Primärversorgungsprojekt gesunder Tennengau ist ein von der Salzburger Gebietskrankenkasse (SGKK) und dem Bundesministerium für Gesundheit sowie dem Land Salzburg, Ressort Gesundheit, finanziertes dreijähriges Pilotprojekt im Tennengau. Dabei geht es um die Einführung einer Primärversorgungsnetzwerkstruktur im Tennengau als Modellregion zur Vernetzung mit ärztlichen und nicht ärztlichen Berufen, dem sogenannten erweiterten Kernteam, über das bestehende Gesundheitsnetzwerk Tennengau. Ärztlicher Leiter des Projekts ist Dr. Christoph Dachs, niedergelassener Arzt in Rif/Hallein.  Detaillierte Informationen zum Projekt gibt es unter www.gesundheitsnetzwerk.at.
Moderne, effiziente Gesundheitsversorgung für alle

Die Ziele der PVE liegen auf der Hand: „Die Qualität der Versorgung der Bevölkerung wird gesteigert und auch langfristig sichergestellt. Die Arbeitszufriedenheit der einzelnen Gesundheitsdienstleister wird erhöht und auf die Bedürfnisse der Patienten ausgerichtete, optimale Gesundheitsleistungen werden ermöglicht. Außerdem wird ein Vorschlag zur Ausrollung auf das Land Salzburg erarbeitet. Wesentliche Elemente des Netzwerks sind die IT-Vernetzung der Ärzte in der PVNetzwerkstruktur untereinander sowie die IT-Vernetzung mit den nicht ärztlichen Gesundheitsdienstleistern. CGM hat dazu eine IT-Ärztevernetzung erarbeitet, die nun vom PVE Tennengau getestet werden soll. Dafür wurden „Friendly User“ gefunden, die im Jänner 2019 mit der IT Vernetzung beginnen werden.  Als Beispiel dafür fungierte das Projekt Hartberg rund um Dr. Alexander Moussa. Von den Erfahrungen der Ärzte in der Steiermark können wir dabei sicher profitieren. Die Ärzteschaft kann sich auf vielfältige Vorteile durch die Netzwerkarbeit freuen: Sie kooperieren eng mit Kollegen und anderen Gesundheitsberufen; sie können dadurch auf geregelte Arbeitszeiten für eine bessere Balance zwischen Beruf und Familie setzen; es gibt attraktive, umfassende Tätigkeitfelder, in denen die ärztlichen Kompetenzen voll zum Einsatz kommen und sie profitieren von praxisbezogener Ausbildung und Forschung in Form von Lehrpraxen.

Straffer Zeitplan

Um eine möglichst dichte Netzwerkstruktur zu erreichen, müssen möglichst viele Gesundheitsdienstleister eingebunden werden. Wir sind in Arbeitsgruppen strukturiert und haben die sozialen Dienste des Landes sowie die wesentlichen Stakeholder an der Basis eingebunden, um einen breiten Konsens zu erreichen. 2019 ist das ‚Go-live‘ der Netzwerkstruktur mit für den Anfang 8 Ärzten vorgesehen. Vier davon sind im Tennengau einerseits im Lammertal (Abtenau und Annaberg-Lungötz), weitere 4 Ärzte im Raum Hallein tätig. Der Patient soll wohnortnahe und für ihn zeitlich attraktiv versorgt werden können.

Da derzeit weder der bundesweite Primärversorgungs-Rahmenvertrag noch der detaillierte PV Vertrag zwischen der Salzburger GKK und der Salzburger Ärztekammer ausverhandelt ist, können aktuell nur die Rahmenbedingungen der späteren ärztlichen und nicht ärztlichen Zusammenarbeit fixiert werden.  Die Ärzteschaft steht dem Eintritt in die neue Struktur auf Grund nicht vorliegender Informationen bzgl. der neuen Verträge abwartend gegenüber.

Gesundheitsnetzwerk.at

Das Gesundheitsnetzwerk Tennengau entstand 1995 als Pilotprojekt des Ludwig Boltzmann Institutes für Gesundheitssoziologie zum Thema „medizinische Hauskrankenpflege“ und wird seit 2002 als Genossenschaft mit dem Status der Gemeinnützigkeit geführt. Derzeit sind 31 Genossenschaftsmitglieder eingetragen. Das Projekt besteht aus den Elementen 1) teilnehmende Arztpraxen der Region Tennengau, egal in welcher Unternehmensform 2) dem Gesundheitsnetzwerk.at reg. Gen., das sicherstellt, dass die Aufgaben, die in dem Konzept „rund um den Hausarzt“, wenn nicht ohnehin selbst organisiert, im Sinne der Prozesssicherheit erledigt werden 3) Interaktion zwischen den am Projekt teilnehmenden Arztpraxen und dem Gesundheitsnetzwerk in der erforderlichen Qualität, um die benötigten nicht ärztlichen Gesundheitsdienstleistungen abrufen zu können. Einbezogene Dienstleister: soziale Dienste (z. B. Wundmanager), Sozialarbeiter, Physiotherapeuten, Klinische und Gesundheitspsychologen, Psychotherapeuten, AVOS für Präventionsprogramme und niederschwellige Angebote zur Stärkung der Gesundheitskompetenz, Apotheken, Selbsthilfegruppen, medizinisch-technische Dienste wie Ergotherapie etc.

www.gesundheitsnetzwerk.at, www.gesunder-tennengau.at

This post was written by Julia Routil

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