Leserbrief – Landesgruppe Niederösterreich

Im Zuge der Berichterstattung zu den Niederösterreichischen Primärversorgungseinheiten (vgl. (1) und (2)) haben wir als OEFOP LandessprecherInnen mittels Leserbrief reagiert.

Hier der Leserbrief für euch zum Nachlesen:

Gerne möchte ich die aktuelle Berichterstattung rund um das Thema Primärversorgung zum Anlass nehmen, Ihnen in meiner Funktion als Landessprecher für Niederösterreich des „Österreichischen Forum Primärversorgung im Gesundheitswesen“ (OEFOP) diesen Leserbrief zu schreiben.

Ich halte den von Ihnen angeregten Meinungsaustausch für enorm wichtig, weil Gesundheit uns alle was angeht. Bereits 1978 veröffentlichte die WHO in der sogenannten Alma Ata Deklaration eine noch immer sehr gebräuchliche Definition der Primärversorgung. Darin heißt es unter anderem: „Die Menschen haben das Recht und die Verpflichtung, sich individuell und kollektiv an der Planung und Umsetzung ihrer Gesundheitsversorgung zu beteiligen.“

Das OEFOP unterstützt den dafür erforderlichen Meinungsaustausch und versteht sich als DIE unabhängige, nationale Plattform sowie als DIE Anlaufstelle für alle Menschen, die Fragen zur Primärversorgung haben. Erlauben Sie mir deshalb, die bisherige Diskussion um einen weiteren – alle Berufsgruppen und die Bevölkerung wertschätzenden – Blickwinkel zu ergänzen.

Man kann Gesundheit als das „Freisein von Krankheit oder Gebrechen“ verstehen. Man kann dieses wertvolle Gut aber auch als „einen Zustand körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens“ betrachten. Je nachdem mit welcher Brille man auf das aktuelle Thema Primärversorgung blickt, wird man natürlich unterschiedlich weit sehen. So wie die WHO und viele andere Experten vertreten auch wir als OEFOP die Prinzipien des sogenannten Primary Health Care. Wir „betrachten“ Gesundheit also durch jene Brille, welche sowohl biomedizinische, psychosoziale als auch kontextuelle Faktoren berücksichtigt und dabei auch die Ziele der Menschen miteinbezieht.

Ein ganzheitlicher und integrativer Ansatz wird nun auch die Entwicklung der künftigen Primärversorgungseinrichtungen (PVE) in Niederösterreich beeinflussen. Das unmittelbare Zusammenwirken verschiedenster Gesundheits- und Sozialberufe in den PVEs ist dabei der wohl wichtigste Meilenstein einer nachhaltigen Weiterentwicklung der primären Gesundheitsversorgung. Die multiprofessionellen GesundheitsTEAMs werden sich aus Ärzten für Allgemeinmedizin, diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegern, Ordinationsassistenten sowie zumindest drei der folgenden Berufsgruppen zusammensetzen: Logopäden, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten, Ergotherapeuten, Sozialarbeiter, Diätologen, klinische Psychologen, Hebammen, Fachärzte für Kinder- und Jugendheilkunde oder mobile Dienste.

Das gemeinschaftliche Wirken unterschiedlicher (nicht nur allgemeinmedizinischer) Kompetenzen unterstützt und befördert neben den entsprechenden Heil- und Rehabilitationsangeboten bei bereits vorliegenden gesundheitlichen Problemen vor allem auch nachhaltig wirksame Angebote zum Gesundbleiben durch Gesundheitsförderungsprogramme und Stärkung der Gesundheitskompetenz.

Ohne Zweifel ist die Frage konkreter Standorte, das Thema Öffnungszeiten der PVEs und die Berücksichtigung bestehender Strukturen von zentraler Bedeutung für die Weiterentwicklung einer wohnort- und arbeitsplatznahen Primärversorgung in der jeweiligen Region. In der bisherigen Diskussion wurde aber bisher nur ÜBER und kaum MIT Patienten gesprochen. Gerade aber die Teilhabe der Menschen selbst an der eigenen Gesundheitsversorgung ist der Schlüssel zur Selbstbestimmung und damit zu einer GESUNDHEITSorientierten Grundversorgung und zu unserem eigenen langen und gesunden Leben. „Gesundheit wird von den Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt geschaffen und gelebt, dort, wo sie spielen, lernen, arbeiten und lieben. Gesundheit entsteht dadurch, dass man sich um sich selbst und für andere sorgt,…“ WHO (1986): Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung

Alle beteiligten Fachkräfte an den Pilotprojekten, die Entscheidungsträger sowie die betroffene Bevölkerung leisten in diesen Tagen und Wochen mutige Aufbauarbeit zur Stärkung einer nachhaltigen und positiven Entwicklung im niederösterreichischen Gesundheitswesen. Den kommender Herausforderungen gesellschaftlicher und demografischer Entwicklungen wie z.B. unserem steigenden Lebensalter, dem wachsenden Betreuung- und Pflegebedarf oder der Vielzahl alleine lebender Menschen gilt es mit Visionen und Zuversicht zu begegnen.

Viele weitere Informationen zum Österreichischen Forum Primärversorgung im Gesundheitswesen können sie auf unserer Webseite https://primaerversorgung.org/ finden.

This post was written by Heinz Novosad

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