Niederösterreich: Die Errichtung der ersten sechs Gesundheitszentren ist beschlossen

Die Vertragspartner NÖ Ärztekammer, NÖ Gebietskrankenkasse und das Land Niederösterreich präsentierten kürzlich das niederösterreichische Modell der Primärversorgung im Rahmen der Pressekonferenz „Start der Gesundheitszentren in Niederösterreich – Ausbau der Primärversorgung in NÖ“.

Entwicklungsstufen und gemeinsame Vorarbeiten

Mit der ersten Vereinbarung zwischen der NÖ ÄK und der NÖGKK als Grundlage begann zuvor im vierten Quartal 2017 die Interessentensuche zur Teilnahme an den niederösterreichischen Primärversorgungsprojekten. Nach einer Reihe unterschiedlicher Informationsveranstaltungen und einer gemeinsamen Infobroschüre präsentierten die Verhandlungspartner Land NÖ, NÖGKK und NÖ ÄK ihre Vorstellungen der konkreten Umsetzung der Primärversorgung in Niederösterreich.

Das Basispapier und die Infobroschüre können sie hier nachlesen:

Konkrete Gestaltung der Primärversorgung in Niederösterreich

Die nun präsentierte Einigung beinhaltet insbesondere die Inbetriebnahme der ersten sechs neuen Gesundheitszentren in Form von Pilotprojekten zwischen Oktober 2018 und Dezember 2019, sowie die ausdrückliche Absicht zugleich auch Primärversorgungs-Netzwerke zu verhandeln und voranzutreiben. Erste Primärversorgungseinrichtungen entstehen in Niederösterreich demnach zunächst in Böheimkirchen, Schwechat und in St. Pölten. Weitere drei Einrichtungen sollen in der Nähe von, oder in einem der NÖ Landeskliniken entweder als Primärversorgungszentrum oder eben als Primärversorgungs-Netzwerk umgesetzt werden.

Mit der Vorbereitung von Netzwerklösungen wurde bereits in den Sommermonaten begonnen, da diese den regionalen Besonderheiten des flächenmäßigen größten Bundeslandes entgegenkommen würden, sowie damit die Attraktivität für die entsprechenden Gesundheitsberufe weiter erhöht werden könne. Bei der Pressekonferenz wurden auch nähere Details zu Fragen der Finanzierung erörtert. So wird die Umsetzung überwiegend von der niederösterreichischen Gebietskrankenkasse, unter Co-Finanzierung des Landes Niederösterreich vorgenommen.

Ausdrücklich wird betont, dass mit der Einigung der Vertragspartner nun eine Pilotphase eingeleitet wird und nach der laufenden Evaluierung die Projekte in den Regelbetrieb übergehen sollen. Bis 2021 sollen in Niederösterreich bekanntermaßen 14 neue Gesundheitszentren entstehen.

Mit Überzeugung und großen Erwartungen

Das niederösterreichische Modell und insbesondere die Einigung noch vor dem Start einer Pilotphase mit mehreren Primärversorgungseinheiten werden als „Meilenstein“, „Vorzeigemodell“ und „wohnortnahes Gesamtpaket“ beschrieben. Eine Zusammenfassung der Stellungnahmen aus der Pressekonferenz finden sie hier.

Das Besondere an der Primärversorgung „Made in NÖ“ sei ihr innovatives Honorierungssystem, die beispielhafte Vereinbarung zwischen den Vertragspartnern und ihre einheitlichen Regeln zum Beispiel hinsichtlich des verpflichtenden Leistungsspektrums bzw. der Ordinationszeiten.

Dabei sind die gesteckten Erwartungen der Entscheidungsträger an die kommenden Entwicklungen wahrlich nicht von geringem Ausmaß.

  • Rundum-Versorgung „unter einem Dach“
  • verbesserte Erreichbarkeit
  • Stärkung der Gesundheitsförderung und Prävention
  • verbessertes Patientenservice
  • mehr Zeit für das Arzt-Patienten-Gespräch und
  • permanente Qualitätsverbesserung

sollen die neuen Gesundheitszentren den PatientInnen bringen (Details zum Download).

Durch die personelle Zusammensetzung in den Gesundheitszentren könne ein umfassender Versorgungsauftrag erfüllt werden. Das Kernteam besteht aus mindestens drei AllgemeinmedizinerInnen, diplomiertem Gesundheits- und Krankenpflegepersonal und Ordinations-assistenzen.

(Quelle: Presseinformation, Pressekonferenz 29. Juni 2018)

Dem erweiterten Team (die sogenannten Blütenblätter) müssen mindestens drei zusätzliche Berufsgruppen angehören.

(Quelle: Presseinformation, Pressekonferenz 29. Juni 2018)

Meinungsaustausch und Netzwerkarbeit

Als unabhängige nationale Plattform Österreichisches Forum Primärversorgung im Gesundheitswesen unterstützen wir naturgemäß die Weiterentwicklungen in der Primärversorgung und beobachten gespannt die kommenden konkreten Umsetzungsschritte in Niederösterreich.

Ein offener und wertschätzender Meinungsaustausch und die Vernetzung von ExpertInnen aus Wissenschaft, Politik und Praxis können Ängste und Widerstände von unterschiedlichen Berufsgruppen und in der Bevölkerung verringern. Wir wollen deshalb gerne im nächsten Online Meeting am 20. September 2018 einen thematischen Schwerpunkt auf das niederösterreichische Modell legen und freuen uns schon jetzt auf spannende Beiträge und angeregte Diskussionen.

Weiterführende Links zur PK

ÄK NÖ: https://cms.arztnoe.at/cms/beitrag/1025206/246014/
NÖGKK: https://www.noegkk.at/cdscontent/?contentid=10007.794800&viewmode=content
Land NÖ: http://www.noe.gv.at/noe/In_Niederoesterreich_werden_14_neue_Gesundheitszentren_er.html

Presselinks

https://www.noen.at/niederoesterreich/politik/primaerversorgung-noe-beschliesst-errichtung-sechs-neuer-gesundheitszentren-gesundheitszentrum-primaerversorgung-101699269#

http://noe.orf.at/news/stories/2921772/

This post was written by Heinz Novosad

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