ICPC-2 Codierung richtig nutzen

Wenn wir in Österreich in der Primärversorgung beginnen mit ICPC-2 zu kodieren, dann sollten wir das Richtige richtig machen. Das Instrument ICPC-2 wurde schon an anderer Stelle ausführlich beschrieben (ICPC-2 – Die Klassifizierung für die Primärversorgung) und im OEFOP Newsletter 03/2018 (siehe Newsletter Archiv) finden sich zur Vertiefung Hinweise auf deutschsprachige Quellen.

Kick-Off mit Prof. Thomas Kühlein

Wie können wir in Österreich die Kodierung mit ICPC-2 richtig umsetzen. Zuerst einmal bedarf es eines Kapazitätsaufbaus. Das heißt, es muss gewährleistet werden dass möglichst viele Personen in der Anwendung von ICPC-2 geschult werden. Idealer Startpunkt könnte der (deutschsprachige) Workshop mit dem internationalen Experten Prof. Thomas Kühlein (22.-23. Juni 2018 in Niederösterreich, siehe Veranstaltungen) sein, der dazu dient MultiplikatorInnen auszubilden. Diese können aus bestehenden oder zukünftigen Primärversorgungseinheiten kommen, aber auch von Berufsvertretungen, aus der Sozialversicherung, vom Land, den Gesundheitsfonds, oder akademischen Institutionen. Derzeit sind noch so viele Fragen offen, dass nur durch diese Perspektivenvielfalt gewährleistet werden kann, dass auch möglichst alle auf den Tisch kommen.

Offene Fragen – Anstehende Herausforderungen

Neben der grundsätzlichen Frage wer sich in den genannten Institutionen zuständig fühlt bzw. für zuständig erklärt wird, scheinen folgende Fragen zentral:

1) Wie wird gewährleistet, dass in Zukunft mit ICPC-2 Episoden und nicht nur Diagnosen kodiert werden? Als Episode oder Behandlungsfall versteht man alle Kontakte für ein Problem, von der Erstkonsultation bis zum Abschluss des Falles. Nur durch die Kodierung von Episoden wird gewährleistet, dass wir einen Einblick in das Versorgungsgeschehen in der Primärversorgung bekommen und eine Versorgungsforschung nach internationalem Standard ermöglicht wird.

2) Wie kann ICPC-2 in die bestehende Software integriert werden? Auch wenn dies eine technische Frage ist, schließen sich daran natürlich sofort auch Fragen nach der Benutzerfreundlichkeit, Alltagstauglichkeit, Finanzierung, Wartung, Datensicherheit, etc. an.

3) Wie kann die aktuelle Datenschutzrichtlinie der EU eingehalten werden?

4) Auch wenn den PVE’s eine einheitliche Diagnosenerfassung mittels ICPC-2 vorgeschrieben ist, bleibt die Frage offen, wie der entstehende Mehraufwand abgegolten wird. Erst durch eine ICPC-2 Kodierung steht  ein System zur Verfügung, das mit wenig Aufwand eine rasche Übersicht über die eigene Tätigkeit und die Behandlungsprozesse erlaubt. In einer PVE werden so an einem Tag mehrere hundert Anlassfälle (Probleme) kodiert. Dadurch wird es möglich neben internen Beobachtungen auch epidemiologische Erhebungen mit  geringem Aufwand durchzuführen. Letzteres ist eindeutig im öffentlichen Interesse und sollte auch entsprechend wertgeschätzt werden.

5) Was machen wir mit den Daten? Erst eine ICPC-2 Kodierung erlaubt die elektronische Auswertung und Quervergleiche zwischen verschiedenen PVE’s. Durch die Verknüpfung mit weiteren Daten aus der elektronischen Krankengeschichte (Alter,  Geschlecht, Laborwerte, Medikation, usw.) ist die Basis für die Forschung in der Primärversorgung gelegt. Der ICPC-2-Code darf mit gutem Recht als «missing link» für die Versorgungsforschung betrachtet werden.

6) Weitere Fragen wären die Schnittstelle zu ICD-10, anderen Datenquellen z.B. der Sozialversicherung, etc.

7) Welche Fragen zur Qualitätssicherung gibt es und wie können sie gelöst werden?

 

Wenn Sie weitere Fragen haben oder schon Antworten auf eine (oder mehrere) der obigen Fragen wissen, kommentieren Sie unseren Blog oder kontaktieren Sie uns (office@primarversorgung.org).

This post was written by Martin Sprenger

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