Nah ran an den Patienten und raus aufs Land – schon ab dem 1. Semester!

„Strategien zur Langzeitversorgung chronisch Kranker, der Umgang mit Multimorbidität, gesetzliche Früherkennungsuntersuchungen, Hausbesuche, Familienmedizin und die Versorgung in Alten- und Pflegeheimen können nur in der Allgemeinmedizin vermittelt werden.“ Sind diese Worte nicht Balsam auf der Seele niedergelassener Allgemeinmediziner? Sie haben nur einen Haken: Diese Rosen werden den Hausärzten in Deutschland gestreut, und zwar im wenige Wochen alten „Masterplan Medizinstudium 2020“  von Gesundheits- und Forschungsministerium, der die Allgemeinmedizin in der deutschen Ausbildung weiter stärkt.

Neidvoll über die Grenze zu blicken, wird uns jedoch nicht weiterhelfen. Unser eigenes Engagement zählt, und das in mehrfacher Hinsicht. Zufriedene Patienten stärken das Image der Allgemeinmedizin. Evidenzbasiertes Arbeiten erhöht die Effizienz und damit unsere Bedeutung im permanent in Geldnot schwebenden Gesundheitssystem. Mit steigendem Ansehen wird die Fachrichtung in der Berufswahl wieder interessanter. Wenigstens ein bisschen …

Es ist aus vielen Motivationsstudien bekannt, dass Studierende sehr früh mit allgemeinmedizinischen Ordinationen in Kontakt treten müssen, damit sie sich für eine Laufbahn in der Allgemein- und Familienmedizin entscheiden. Der Praxisbezug ist auch der Schlüssel für eine hohe Qualität der Ausbildung. – Aber wie bekommen wir die Studenten nah an den Patienten, raus aufs Land? Wir müssen die Lehre noch besser darauf ausrichten!

In Innsbruck hat sich z. B. AMPOL (AllgemeinMedizinisches Problem-Orientiertes Lernen) bestens etabliert. Angeboten für das  9. und 10. Semester mit 2 Wochenstunden, erfolgt die Präsentation des Stoffes in Form von Fallvignetten, basierend auf konkreten Beispielen aus den Praxen der Lehrenden. Dass wir für AMPOL lange Wartelisten führen müssen, spricht für sich!

Seit dem  WS 2016/2017 haben MUI und TGAM das praxisorientierte AM-Angebot noch einmal erweitert – um ein in dieser Form in Österreich einzigartiges Mentoring-Programm: Studierende ab dem 1. Semester können sich eine Lehrpraxis der MUI aussuchen, in der sie pro Semester an 4 Tagen jeweils 5 Stunden der/dem AllgemeinmedizinerIn „über die Schulter schauen“ und so einen Einblick in allgemeinmedizinisches Denken und Handeln bekommen.

Die Mentees können sich diese Lehrveranstaltung als Wahlfach anrechnen lassen; wenn sie das Mentoring-Programm über alle 10 Semester absolvieren, bedeutet dies 10 anrechenbare Wahlpflichtfachstunden. Das Wahlfach kann 10 Semester in der gleichen AM-Praxis oder in verschiedenen Ordinationen absolviert werden; die Vielfalt der umgesetzten Allgemeinmedizin kann erfahren werden.

Feedback/Abschlussveranstaltung für das SS 2017

Gleich zum Auftakt und auch im laufenden Semester haben sich mehr als 40 Studierende angemeldet; auf der anderen Seite haben sich auch 20 Allgemeinmediziner auf Anhieb bereit erklärt, dem Nachwuchs die ebenso anspruchsvolle wie wunderbare Arbeit in der Primärversorgung näherzubringen. Und das Konzept geht auf: In der Evaluation wird das Ansehen der Allgemeinmedizin höher eingeschätzt, die Mentees zeigen sich insgesamt begeistert: Wurde sehr gut aufgenommen und habe mich nie so gefühlt, als würde ich im Weg rumstehen, wie es leider in der Klinik oft der Fall ist.“, „Habe wirklich viel gelernt und einen super Mentor gefunden, der immer bereit war, meine Fragen zu beantworten. Werde nächstes Semester wiederkommen!“ – „Ran an den Patienten, raus aufs Land“ funktioniert also tatsächlich.

Weitere Rückmeldungen:

Unter Leitung Anamnese machen. Selbst auch einfache praktische Dinge durchführen. Fördert mich, Neues zu lernen und fordert auch, bereits Gelerntes zu wissen. Auch anatomisches Wissen bei Röntgen, CT, MRT anwenden. Sehr flexibel, kann jederzeit anrufen und vorbeikommen.

Kennenlernen der Tätigkeiten eines AM. Von der Erfahrung profitieren. Erste Erfahrungen im Patientenumgang sammeln.

Viele Patienten gesehen und untersuchen dürfen. Viele ärztliche Fertigkeiten durchgeführt. Alles verständlich erklärt. Nicht überfordert, aber auch viel zugetraut.

Es war nicht wie ein Praktikum, sondern war mein Mentor echt immer für Fragen offen, auch außerhalb des Mentorings.

Sehr empathischer Umgang, habe mich gut aufgehoben gefühlt.

Es war eine sehr kollegiale Beziehung, der Mentor unterstützt einen, passend zu den persönlichen Fähigkeiten.

Positiv ist, dass ich meinen Mentor schon lange kenne. So war es wie unter Kollegen, er hat mich als nahezu gleich angesehen und mich vieles probieren lassen.

Es war eine sehr gute Zusammenarbeit, vor allem wurde sich viel genommen und immer eine Nachbesprechung gemacht, all meine Fragen wurden beantwortet.

Der einfache kollegiale Umgang – erleichtert das Lernen sehr, immer offen für Fragen

Sympathisch, gute Gespräche. Vertrauen

Bei verschiedenen Fragen über den Arztberuf, bei medizinischen Fragen habe ich eine Ansprechperson, die sich gerne Zeit nimmt. Mein Mentor gibt mir das Gefühl, dass ich auch schon einige Dinge weiß, obwohl ich in meinem Studium noch nicht sehr weit bin.

Mein Mentor hat sich Zeit genommen, meine Fragen zu beantworten. Weiters hat er mir Lesematerial zum Einlesen in einige Themengebiete (DM, AM …) zur Verfügung gestellt. Auch praktisch wurde mir viel gezeigt.

Man hat sich sehr viel Zeit genommen, alles zu erklären, auch wenn in der Praxis gerade mal mehr los war. Großes fachliches Wissen und sehr schöne Arbeitsatmosphäre. Man wird als Teil des Teams angesehen, Kommunikation war immer auf Augenhöhe.

Ich wurde ernst genommen und mir wurde viel erklärt. Man bekommt einen generellen Überblick und Einblick in den Beruf eines AM.

Ich habe einen sehr tollen Einblick in das Fachgebiet AM erhalten und durfte viele verschiedene Facetten des Berufs kennenlernen. Auch fachlich konnte ich viel dazulernen.

(Bericht mit freundlicher Genehmigug der TGAM, Herbert Bachler, OEFOP Landessprecher Tirol, 2017)

This post was written by Herbert Bachler

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